Dass ich am Ende so selbstkritisch daherkam, liegt gar nicht so sehr am Aussehen - das wird mir jetzt klar. Es liegt an der inneren Haltung, die ich damals hatte, die kann man aber auf den Fotos ja gar nicht sehen ;) und das ist ja nun auch vorbei. Hurra!

Dafür hatte ich jetzt endlich wieder Zeit, an meinen eigenen Strickprojekten zu arbeiten. Bei Intarsienstrick bin ich immer ganz gierig weiterzumachen. Aber kaum waren die beiden Ärmel fertig (die trocknen noch), musste ich gleich die zahlreichen Resteknäuel einer sinnvollen Verwendung zuführen und habe ein Tuch angefangen. Jetzt schmerzt das Handgelenk (vielleicht lag ich ja beim Schlafen drauf). Schlimm!
Ach, eigentlich wollte ich beschreiben, was ich bei den Ärmeln gemacht habe. Die Anleitungen von der Frau Isager sind etwas verquast formuliert. Und bei diesem Modell hätte man - wie beim Körper mit breiten Farbstreifen anfangen und innerhalb dieser abnehmen sollen, während man aber seitlich - wie bei einem normalen Ärmel - Zunahmen hätte machen müssen. Geht's noch? Ohne mich! Man sieht hier vielleicht auch ohne große Erläuterungen, wie ich das mit den Ärmelzunahmen gelöst habe.
Nach mehr oder weniger sorgfältigen Recherchen möchte ich zuerst das früheste, deutliche Bild eines von mir selbst gestrickten Pullis präsentieren:

Man sieht, dass das Modell nicht gerade am Anfang meiner Strick-Bemühungen steht, es ist von ca. 1983. Ich war wieder in einer "angepassten" Phase, kurz vorm Abitur und im Kopf nichts als Dummheit, von wegen Mathe-Genie und naturwissenschaftliches Studium. Was für ein Mist!

Zwei Jahre später war das mit dem Angepasst-Sein schon wieder vergessen, wenngleich ich auch immer noch einen Schmarrn studiert habe. Dieser Overall ist eine Eigenkreation. Viel zu groß genäht, dann mit der Nähmaschine Falten und Krissel abgesteppt, um die Textur zu verändern. Solche Stoffe macht der Chinese heutzutage mal eben mit der linken Hand. Und auch das Achtizger-Jahre-Feeling stimmt bis aufs Kleinste mit der gerade angesagten, grottigen, figur-verschlechternden Mode überein.

Bilder des Schreckens Ende der Achtziger (1989). Ein Rundpassen-Pulli aus handgefärbtem(!) Garn und immer noch diese schrecklichen Karottenhosen - und die handbemalte Jacke. Und alles im wirklich furchterregenden Kampf-Lesben-Look. Aber meine innere Haltung war zu dieser Zeit entsprechend. Wirklich schlimm.
Bin ich froh, dass ich nicht mehr so bin!
Jetzt heben wir die Tassen, dass nicht nächstes Jahr auch noch die Karottenhosen aus dem miefigen Keller der Modegeschichte geholt werden. Wo doch die riesigen Sackpullis gerade ein Comeback hatten...

Vergessen habe ich noch diesen Blick in die Siebziger (1975). Der Rock (aus Florida) in Grellgrün mit gelben Blümchen (Material: Polyester-Wirkware), kombiniert mit dem eben gekauften Kreuzfahrt-T-Shirt und gekrönt von dem unendlich gehassten superdoofen Schlapphut (Die Oma: Kinder, ihr müsst was auf den Kopf setzen - die Sonne!)
Die späteren Siebziger Jahre versuchte ich angepasst zu sein. Sweatshirts und Jeans-artiges. Aber 1979/80 änderte sich mein Freundeskreis und damit auch mein Äußeres:

Mit Indienkleid, passender Anti-Atomkraft-Anstecknadel und allem möglichem Firlefanz. Was lacht die Oma da so? (Ja, die Oma, die trug die zur dieser Zeit bereits voll verhassten Siebziger Jahre Kombis mit leichter Schlaghose und hüftlangem, passendem Westchen. Da sie das Zeug bis zuletzt aufbewahrt und getragen hat, war sie in den Neuzigern zum Teil wieder recht hip unterwegs, die Gute)
Das war die Zeit, in der die Strickerei so richtig blühte. Was zwei Jahre zuvor erst zaghaft mit den Tschibo-Büchern begonnen hatte, uferte aus. Wir saßen im Schneidersitz herum und strickten grobe Wollpullis (bei mir aus Kostengründen dann doch oft noch recht kunstfaserig) und der Hit war das Modell Groß-Kastenförmig-Schlabberig. Passend zum Flippie-Look eben.

Und 1981 war's schon wieder ein anderer Look. Abgelegte Kleider aus den Fünfziger Jahren, ein Jackett meines Vaters und schrilles Zeug - wie diese Golfschuhe! Die beginnenden New-Wave Jahre. Leider habe ich keinerlei Fotos von Pullis aus dieser sehr produktiven Zeit.
Am Beispiel meiner Oma fällt mir auf, dass ich langsam auch in diese Phase (man nennt das wohl Alt-Werden) komme, in der mich die allerneuesten Trends (siehe Röhrenhosen) nicht mehr so heiß machen, wie das früher immer der Fall war. Die Erregung, was Hochmodisches zu tragen entfällt, wenn man bereits alle Moden des zwanzigsten Jahrhunderts mal getragen hat. Und so richtig Neues bietet dieses Jahrhundert noch nicht, oder was meint ihr? Und wenn es was gäbe, dann hätte ich nicht mehr diese Bedenken, es auch gleich zu tragen.
Inzwischen weiß ich, was an mir gut aussieht, welche Klamotten eine Gesinnung ausdrücken und wie ich auf die Umwelt wirken möchte.
Kein Weibchen, keine Nutte, kein lächerliches aufgeputztes Ding... hoffe ich.
Eigentlich war mein Gedanke, dass mir diese engen Röhrenhosen, die im Augenblick in Mode sind, nicht so zusagen. Die jungen Damen mit den dürren Beinen zeigen ihre Deformitäten oder auch keine und schlappen so eingequetscht umher. Aber andererseits...

Was habe ich 1977 getan? Eine Hose enger genäht! Und wie man sieht, äußerst "professionell"! Wahrscheinlich mit der Hand in grobem Steppstich genäht - und unten am Saum ist es sich dann halt nicht ausgegangen. Tja.
Diese Hose war auch noch ausgeliehen. Die Freundin hat sie dann zerlöchert, mit diesen schrecklichen Flicken zurück bekommen. Wie unangenehm mir das heute ist!
Und was wohl "meine Leute" sich dabei gedacht haben? Falls die irgendwas gedacht haben... Ich musste mir von einer Freundin eine Hose leihen, weil ich nichts(?) zum Anziehen hatte?

Vorher (1975) war die Welt noch in Ordnung. Da trug ich die Hosen, die zur Verfügung standen. Gemäßigte Schlaghosen (derweil schon viel zu kurz) mit grauenerregendem, farblich abgesetztem Seitenteil.
Diese Clogs! Die musste ich unbedingt haben. Und bekam sie auch...

Aber diese Strickjacke! (aus Schweden oder Florida - nun... wahrscheinlich doch Schweden) Kein Wunder, dass wir solche Gesichter machen. Die Jacke musste später mein Bruder auftragen. :hihi:

Die Mode hat mich wirklich schon immer beschäftigt. Und ich frage mich oft, ob das daran liegt, dass ich als ganz kleines Mädchen jedes Jahr zwei Mal wahre Schätze an abgelegten Klamotten bekommen habe. Einmal aus Florida (von der Tochter einer Kollegin meiner Oma) unglaubliche Poly-Taft-Träume in den buntesten Karibik-Farben. Unter anderem auch das (heutzutage relativ vernünftige) Kleidchen auf dem Foto. Das war teilweise grenzwertig, damit in der Schule oder im Kindergarten aufzukreuzen, weil alles wirklich topmodisch war. Echte Schätze! Aber damals war es nicht angezeigt, topmodisch gekleidet zu sein.
Nicht minder schön waren die Sachen aus Schweden (von einer anderen Kollegin meiner Oma) - alles gleich zweifach, denn das waren (oder sind) Zwillinge. Hautenge weiße Stiefelchen (vier Stück). Zwei Mäntel, zwei Muffs, zwei Hosen...

Dieser Mantel! Dafür hätte ich vor fünf Jahren gemordet! Für die Mütze allerdings nie!
Dann kamen die rückenfreien Tops auf (ca. 1972 oder so) und ich wollte unbedingt eines. Da hätte man was kaufen müssen, das war nicht drin. Schluchz! Daran erinnere ich mich deutlich. Schluchz!
Ich habe Kleider entworfen. Erst zweidimensional mit Ecken zum Umknicken für diese Anziehpuppen. Unendlich. Später hatte ich dann Barbies und Petras und wie sie alle hießen. Eine ganz Horde, viel mehr als gutbürgerlich üblich war.

Sieht man's? Irgendwann waren es mindestens acht. Die führten Mode-Kriege. Meine Favoriten wurden mit den schönsten Kleidern bedacht und haben die anderen (Petra) fertig gemacht. Ja, so war das.
[Eigentlich hatte ich meine Schlaghose und die Röhrenhose eingescannt und bin dann bei den Fotos zurückgegangen und fündig geworden. Das mit den Hosen folgt dann eben demnächst. ]












