
Derzeit sehe ich täglich neue Perücken auf (meist) Frauenköpfen. Ich werde nur höchstens an einer kleineren Stelle Haare verlieren (die ja auch wieder kommen), aber der Blick schärft sich.
Damals hat das Ding hier (Echthaar, hellrot und glatt) DM 4000,- gekostet. Es gab einen Zuschuss von der Krankenkasse (etwa die Hälfte), aber nur gegen eine Bescheinigung, die ich mir bei der Sekretärin des Onkologie-Professors holen musste. Die war sich nicht zu schade, mich darauf hinzuweisen, dass eine Plastikperücke viel praktischer, weil pflegeleichter sei, woraufhin ich ihr sagen musste, sie möge sich um ihren eigenen Kram kümmern und habe mir gar nichts zu raten.
Naja. Weil ich gerade so viel Tatendrang verspüre, habe ich die Perücke ausgegraben, gewaschen und noch nicht gekämmt, wie man sieht. Damals hatte ich ständig Lockenwickler drin, weil die total glatt war. Dann habe ich nach und nach - total entnervt - erst getönt, dann gefärbt und schließlich sogar eine "saure Dauerwelle" appliziert. Und geschnitten, natürlich. Diese Frisur mit den langen Seitenpartien war Mitte der Neunziger Jahre voll okay.
Ich habe Lust, die Perücke einem guten Zweck zukommen zu lassen. Eine Putzfrau in meiner Firma läuft mit einer ganz billigen grauen Perücke herum (die kämmt die aber auch zu doll, sieht wirklich schlimm aus). Vielleicht hat sie Lust auf ein wenig Farbe - für Festtage?

Ich verspreche, dass keine Kosmetik-Bloggerin werde.

Danke iGing für die Grüße! Wie nett!

Kenn ich. Vor dreißig Jahren hatte ich schon mal so was. Heutzutage wird präziser und zielgerichteter bestrahlt. Ein Arzt meinte, das sei im Vergleich zu damals "ein Spaziergang".
Entsprechend nehme ich die tägliche Stunde hin und Stunde zurück gelassen in Kauf
Nachtrag
Der andere (Assistenz-)Arzt heißt mit Vornamen "Cedric" und ich grübele, ob seine Mutti bereits vom "Three Wizard Tournament" beeinflusst wurde. Dann wäre der Knabe erst 24 (und dafür ist er ganz schön streng). Aber möglich ist alles. Eine ehemalige Freundin von mir war auch erst 24, als sie ihren Doktor in Kunstgeschichte erreicht hatte (vorbildlich!).
Streng: Der Knabe hat meine Euphorie über die Wirkung des jetzt eben erst verabreichten Cortisons (Minderung einer eventuellen Hirnschwellung ist das Ziel) verleidet. Ich war gar zu enthusiastisch: "Bitte verschreiben Sie mir das bis zum Ende meines Lebens". Tatsächlich macht es mir zum ersten Mal im Leben nichts aus, früh aufzustehen. Meine Verdauuung hat sich reguliert und ich bin - das ist der Hammer - echt ein bisschen positiver eingestellt. Tatsache ist aber auch: Das Zeug macht einen fetten Kopf und ist auf Dauer wieder gegenteilig wirksam. Also mehr Depression, mehr Gewichtszunahme, mehr... irgendwas.
Ich habe auch außer meiner Krankheitsgeschichte, die im Augenblick recht aktuell ist, nichts Weltbewegendes erlebt.
Ich bin jetzt 60 Jahre alt und habe genau das Alter erreicht, das man mir damals als Obergrenze prophezeit hat.
Und jetzt höre ich erst mal wieder auf und warte darauf, bessere Formulierungen und zündende Ideen für einen schriftlichen Bericht zu erfahren.

Von der Web-Freundin gab es wieder Gewebtes. Ich habe die Farben etwas gesteigert, damit man das Muster (Flechtköper) besser sehen kann Eigentlich ist es satt Dunkel-Ultramarin mit Violett und Lachsrosa.

Das wären die Handtücher, ich habe aber auch noch einen Schal. Faszinierend, was man mit einem Webstuhl alles zaubern kann!
Und das Filzwerk, das wollte ich ja IMMER schon mal machen, das sogenannte "Nuno"-Filzen. Dabei filzt man Wolle ganz fein in ein Seidentuch ein. Die Seidentücher hätte ich ja schon hier rumliegen, die Wolle auch. Vielleicht raffe ich mich doch mal auf.
Überhaupt - mir läuft irgendwie die Zeit davon. Man kennt das ja: je älter man wird, desto schneller vergeht die Zeit. Aber jetzt ist es so krass, dass ich das Gefühl habe, nur noch einige Tage vor mir zu haben. Etwas gruselig ist das schon. Wenn ich all die Wolle (Knäuel und Unversponnenes) um mich herum anschau. All die Bücher, die ich noch lesen wollte, all die Filme, die ich noch (mal) anschauen will. Meine Platten, die ich alle noch mal hören möchte, da muss ich - glaube ich - langsam mal anfangen. Statt dessen bestell ich wieder eine Handvoll Sockenwolle, als gäbe es kein Ende. Dabei gehen meine Socken gar nicht sonderlich schnell kaputt, denn ich trage sie reihum und nur zuhause. Die berühmte Socken-Schublade ist knallvoll... Ich schweife ab. Auch gedanklich, immer mehr.
In meiner Familie sind ja alle eher früh leicht dement geworden :-)
Das reicht für heute, glaube ich (lach).